Überwinternde Adler in Nordisrael November 2010
Nach drei Wochen Schreiadlerfotografie in den nördlichen Tälern Israels (siehe Bericht in Englisch, Französisch) im Oktober, verbrachte ich zwei Wochen im November im Hula-Tal, um überwinternde Adler zu fotografieren.
Das fruchtbare Hula-Tal liegt im äußersten Norden Israels, südlich der Grenze zum Libanon und zu Syrien. Im Osten wird das Tal durch die Golan-Höhen begrenzt, im Westen grenzen die Galil-Berge an. Das Tal bietet exzellente Bedingungen für Naturfotografie. Einige sehr seltene Greifvogelarten, wie Schelladler, Schreiadler, Kaiseradler, Zwergadler und Steppenweihe ziehen oder überwintern in beachtlichen Zahlen. Während meines Besuchs hielten sich rund zehn Schell- und ein halbes Dutzend Schreiadler in der Gegend auf, darunter ein Exemlar der fulvescens-Form. Hinzu kam ein junger Kaiseradler.
Die Felder im Hula-Tal bieten Adlern und anderen Greifen eine exzellente Nahrungsgrundlage - von Mäusen bis zu Kleinvögeln
Das Hula-Tal ist bekannt für seine große Zahl rastender Kraniche und Pelikane. Das Bild oben zeigt eine Ablenkungsfütterung für Kraniche. Die Vögel werden mit Erdnüssen gefüttert, um die Nahrungssuche auf den Erdnuss-Feldern zu verhindern. Das Tal war einst eines der größten Feuchtgebiete des Nahen Ostens. Vor dreißig Jahren wurde ein Teil des Gebiets aus Naturschutzgründen wiedervernässt. Der entstandene See - Agamon in Hebräisch - bildet heute den Kern des geschützten Gebietes. 
Kraniche vor den Golan-Höhen




Der See und die angrenzenden Fischteiche ziehen in jedem Herbst tausende von Rosapelikanen an. Fast die gesamte westpaläarktische Population der Art zieht über Israel. Das Hula-Tal ist dabei der wichtigste Rastplatz.
INFRASTRUKTUR
Das Gebiet bietet exzellente Voraussetzungen zum Birdwatching und zur Fotografie. Vögel können häufig aus sehr geringer Distanz beobachtet werden, besonders am frühen Morgen. Es gibt eine Reihe klug konzipierter Beobachtungshütten und eine Touristenattraktion, die "mobile hides" (hinter einen Traktor gespannte Beobachtungswagen) bieten auch Birdern und Fotografen unvergesslich nahe Begegnungen mit Kranichen. Das Gebiet ist für Autos gesperrt, kann aber zu Fuß, mit Leihfahrrädern und Leih-Golfcarts erkundet werden.

Pelikane vor dem "Pelican Lookout", Kranich-Beobachtung aus dem "Mobile Hide" und einer der Beobachtungsstände



Die britischen Freunde Frank und Brian genießen den exzellenten Kaffee, den Orna vom Agamon-Team in der Cafeteria bereitet. Unten: Ich versuche stets, das weiche Licht der ersten Stunde des Tages für die Fotografie zu nutzen.

Zurück zu den Vögeln. Viele der einheimischen Spezialitäten und Überwinterer können um den See herum gut beobachtet werden. 
Blaukehlchen sind häufige Überwinterer in ganz Israel. Es ist schon atemberaubend, diese im Brutgebiet so zurückhaltende und scheue Art in großer Zahl und fast ohne jede Scheu beobachten zu können.

Sehr häufige Vogelarten: Spornkiebitz, Jerichonektarvogel, Gelbsteißbülbül und die winzige Streifenprinie



Unten: Drei Eisvogel-Aten repräsentieren die avifaunistische Vielfalt des kleinen Landes an der Schnittstelle dreier Kontinente: Braunliest, eine vornehmlich in Asien verbreitete Art brütet in Nordisrael, Eisvogel, ein häufiger Wintergast aus Europa und Graufischer, ein Brutvogel Israels, der sein Hauptverbreitungsgebiet in Afrika hat.


Zitronenstelzen können im Winter und zur Zugzeit im Tal angetroffen werden 
GREIFVÖGEL

Adler-Fotografie ist immer ein Glücksspiel. Ich hatte geplant, an mein erfolgreiches Projekt aus dem Vorjahr anzuknüpfen, bei dem mir unter anderem das oben abgebildete Foto eines fast adulten Schelladlers gelang. Doch trotz erneut sorgsam ausgelegtem attraktivem Köder - einem toten Kranich - kam während dreier voller und eines halben Tags im Tarnzelt kein einziger Adler. Die Bauern der Gegend hatten überraschend früh mit dem Umbruch der Felder begonnen und den Adlern so den Tisch reich mit Nagern gedeckt. Nahrung war im Überfluss vorhanden und die Vögel mussten nicht zu meinem Köder kommen. Also änderte ich meine Strategie und versuchte, die Adler aus dem Auto heraus in den angrenzenden Feldern zu fotografieren. Diese Herangehensweise war erfolgreicher:


Schelladler und junger Kaiseradler streiten sich um das Recht, den höchsten Baum weit und breit als Ausguck zu nutzen.

Ein Schelladler kratzt sich während des Fliegens

Ein junger Schelladler

Dieser juvenile Steppenadler überwinterte im Hula-Tal 
Unten: Ein junger Kaiseradler, ein seltener aber regelmäßiger Überwinterer 

Steppenweihen, untern ein adultes Männchen und ein Jungvogel, sind regelmäßige Durchzügler und Überwinterer in Israel 


Traurigerweise wurden während meines Aufenthalts gleich drei angeschossene Adler gefunden, zwei Schrei- und ein Schelladler. Ich selbst fand einen jungen Schreiadler mit Schussverletzungen. Wie die anderen beiden erholt er sich nun in einem Vogel-Hospital.
Es ist schwer zu sagen, wo die Vögel beschossen wurden. Naturschutzgesetze verbieten die Jagd auf Greifvögel in Israel, aber immer wieder konnten ich und andere Ornithologen in den vergangenen Jahren beobachten, wie dennoch auf geschützte Vögel geschossen wurde. Die Strafverfolgung verläuft meist im Sande.
Dotan vom Beringungszentrum mit einem der geretteten Vögel, einem jungen Schelladler
BET SHEAN
Eine gute Stunde südlich des Hula-Tals in der Jordansenke befindet sich das Bet-Shean-Tal. Auch dort fanden sich Greifvögel in guter Zahl. Mehrere Schell- und Schreiadler hielten sich in den Fischteichkomplexen oder den Feldern der Region auf.

Schrei- (oben) und Schelladler (unten) im Bet-Shean-Tal 
ABSTECHER IN DEN SÜDEN
An meinem letzten Tag unternahm ich mit meinem Freund, dem exzellenten Fotografen Rony Livne, einen Abstecher in den extremen Süden des Landes, um die dort gefundenen Seltenheiten zu fotografieren.

Rony wartet auf die Vögel

Eine männliche Weißstirnlerche in den Feldern von Yotvata, nördlich von Eilat. Es ist der erste Herbstnachweis dieser Art in Israel seit mehr als 20 Jahren. Gemeinsam mit ihr hielten sich bis zu 15 Kleine Feldlerchen in den Feldern auf 


Auf dem Weg zurück in den Norden führte uns der Weg durch die spektakuläre Negev-Wüste. Immer wieder ein erhebender Augenblick 
Mein Dank für die anhaltende Unterstützung gilt dem Team vom Hula-Lake und meinen Freunden von der Israelischen Ornithologenvereinigung IOC: Toda raba an Kobi Samarano, Inbar Rubin, Nadaf Israeli, Dotan Yosha, Eli Galili, Dan Alon - und Orna für den exzellenten Kaffee.
INTERESSE GEWECKT?
Gemeinsam mit den israelischen Ornithologen planen wir für den kommenden Herbst eine Naturfoto- und Birdingwoche im Hula-Tal. Bei Interesse an mehr Informationen, schreiben Sie mir eine E-mail: tkrumenacker
yahoo [dot] com
