Gleitaar - Neuer Brutvogel in Israel

 Ursprünglich galt der Gleitaar (Elanus caeruleus) als Ausnahmeerscheinung in Israel. Shirihai gibt für den Zeitraum zwischen 1977 und 1985 nur fünf Nachweise - alle aus der Region um Eilat im äußersten Süden des Landes und angrenzend an den ägyptischen Sinai  -  an. Alle Nachweise stammen aus dem Zeitraum zwischen jeweils Ende März und MItte April.

Das nächste regelmäßige Brutvorkommen befindet sich im westlich und südwestlich von Israel gelegenen Nachbarland Ägypten. Seit Beginn der 1990er Jahre wurde eine räumliche Ausweitung der nord-ägyptischen  Bestände gemeldet (Meininger, Shirihai/Alon).

Nach einer Häufung von Nachweisen von Einzelvögeln - nun in fast allen Landesteilen - auch in Israel in den vergangenen Jahren, fand sich im September ein Pärchen Gleitaare der asiatischen unterart vociferus  im Hula-Tal in Nordisrael ein. Innerhalb kurzer Zeit bezogen die Vögel ein verlassenes Krähennest und begannen zur recht ungewöhlichen Zeit - Mitte September - mit einer Brut.

Das Nest befindet sich auf einer für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Insel im Hula-See (Agmon). Alle vier Jungen wurden flügge. Während meines letzten Aufenthalts in den letzten beiden Novemberwochen konnte ich die mittlerweile voll flüggen Jungvögel fotografieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits seit rund einem Monat das Nest verlassen und machten eifrig eigenständig Beute. Dennoch wurden sie weiter im Nest von den Eltern gefüttert, vor allem mit Nagern. 

 Die beiden Altvögel. Auch während der Jungenaufzucht und danach waren sie häufig in Balzstimmung und kopulierten eifrig

Eindringlinge in das Brutgebiet, hier ein Schreiadler, wurden energisch attackiert. Während die Gleitaare von anderen Greifvogelarten ignoriert wurden, machten Nebelkrähen den Neubürgern das Leben schwer. Oft in Gruppen wurden die Gleitaare von den Krähen attackiert. Das Männchen wurde dabei sogar verletzt.

 Nachbarn, aber keine Freunde: Gleitaar-Altvogel und Nebelkrähe

Die mit Beute ankommenden Altvögel werden schon vor dem Nest von den flüggen Jungen begleitet

Die Jungvögel versammeln sich noch häufig im Nest, um die Eltern mit Futter zu erwarten

Die Altvögel füttern sowohl im Nest als auch außerhalb

Häufig halten sich die Jungen gemeinsam in unmittelbarer Nestnähe auf - im Hintergrund eine Gruppe Kraniche

Die Jungvögel sind bereits recht erfolgreiche Jäger, tun sich mit den Feinheiten der eleganten Landung aber noch schwer

Weitere Fotos aus dem Hula-Tal auf der Galerie zu meinem Fotoworkshop finden sich hier.

Mein Bericht aus der "Südddeutschen Zeitung" zur Wiederentdeckung des ausgestorben geglaubten Hula Painted Frog im benachbarten Naturschutzgebiet hier. Ein Interview mit der zuständigen Biologin hier.

Ich bedanke mich für die Unterstützung bei Kobi Samarano (Manager des Gebietes), Dan Alon, Nadav Israeli und Dotan Yosha (Israelische Ornithologenvereinigung)

 Literatur:

Meininger,P.L.:Sandgrouse 13 (98-101), 1991

Shirihai, H., Alon D.:Raptor Migration in Israel and the Middle East, Eilat 2000

Shirihai, H.: The Birds of Israel, London 1996