Schreiadler- und Schwarzstorchzug Oktober 2010 Nordisrael

    

    SCHREIADLER UND SCHWARZSTORCHZUG 

 DASS Israel eine der besten Adressen weltweit ist, um den Vogelzug zu beobachten, ist weithin bekannt. Die meisten Beobachter reisen im Frühjahr nach Südisrael in die Umgebung von Eilat. Der Herbstzug spielt sich dagegen fast völlig unbeachtet von der Birderszene statt - dabei gehört vor allem der Schreiadlerzug in Nordisrael mit zum spektakulärsten, was der Vogelzug zu bieten hat. Zu Recherchen für meinen Israel-Vogelführer habe ich mich im September und Oktober für drei Wochen in Nordisrael aufgehalten. Schwerpunkt war der Schreiadlerzug, daneben konzentrierte ich mich auf die Fotografie von Schwarzstörchen. 

Adulter Schreiadler im mecklenburgischen Brutrevier (Juli 2008, oben) und in Brandenburg im Frühling 2010 beringter gerade flügger Schreiadler (Foto aus dem Brutrevier, 2. Sept.2010) - Auch sie passierten vielleicht mit Tausenden anderen Artgenossen die nördlichen Täler Israels.

 Erstmals fotografierte ich auch aus einem Klein-Flugzeug (hier mit Pilot Effi),

leider an einem Tag mit nur geringem Zuggeschehen. Wie in den vergangenen Jahren erreichte der Schreiadler-Zug am 6. Oktober mit 25.460 gezählten Vögeln seinen Höhepunkt. Zwischen dem 28 und 30. September zählten die Teams jeweils 15.000 Schreiadler. An heißen Tagen – bei Temperaturen um die 35 Grad – trafen die ersten Zugverbände schon am frühen Nachmittag an den Rastplätzen in einigen großflächigen Pinienwäldern in Nord- und Zentralisrael ein.

 

 Nazareth, Geburtstadt Jesu, liegt inmitten der Schreiadler-Zugroute über Nordisrael.

 

Pinienwald in Nordisrael, fotografiert aus Schreiadlerperspektive aus dem Flugzeug: Rastplatz für Tausende Adler

 

Typische Formation zur Rast eintreffender Schreiadler

Der morgendliche Aubruch der Adler fand meist bereits um kurz nach 07.00 Uhr statt, bei zugunfreundlichen Wetter mit Bewölkung und demzurfolge schlechterer Thermik konnte sich der Massenaufbruch aber bis 08.30 Uhr verspäten.

Eine Gruppe von Schreiadlern sucht am frühen Morgen nach Thermik

Schreiadler beim Verlassen des Schlafplatzes

 

Mit den Schreiadlern zogen stets Gruppen von Schlangenadlern, täglich auch rund zwei Dutzend Zwergadler und vereinzelt auch Kaiser- und Schelladler (die Überwinterer in Israel treffen gewöhnlich ab Mitte des Monats in größerer Zahl ein) 

 

Ein junger Kaiseradler zieht gemeinsam mit den Schreiadlern

 

Schlangenadler, häufiger Durchzügler im Herbst

Kurzfangsperber und Schreiadler suchen dieselbe Thermik

 

Die Vögel nahmen zumeist direkt Kurs auf die Sinaihalbinsel, wo sie den Suezkanal erneut in einer Zugverengung überqueren. Auch  der Kurzfangsperber-Zug war noch beträchtlich mit 68.000 Vögeln am 23. September (einem Tag vor meiner Ankunft) und immer noch beachtlichen etwa 10.000 Vögeln am 28. September. In der Zeit meines Aufenthalts zogen zudem rund 30.000 Rosapelikane, kleinere Gruppen Baumfalken, Rotfußfalken und eine große Zahl an Bienenfressern.Eine vergleichsweise kleine Gruppe KurzfangsperberEine kleine Gruppe Rosapelikane aus der Luft fotografiert

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Auf ihrem Zug über Israel sind Schreiadler auch am Himmel über Städten kein seltener Anblick

Zur abendlichen Rast fallen die Vögel oft nahe Städten ein

 

     MENSCH UND MASCHINE - DIE ZUGVOGELZÄHLUNG

Die jährlichen Zählungen ziehender Großvögel blickt in Israel auf eine 30-jährige Tradition zurück. Vom 1. August und Mitte Oktober werden über die gesamte Breite des Landes in West-Ost-Richtung im 2-Kilometer-Abstand Zählposten aufgebaut, um eine flächendeckende Erfassung der ziehenden Vögel sicherzustellen. Die Ergebnisse der Zählungen und Konzentrationen von Vögeln, die eine Gefährdung des Luftverkehrs bedeuten können, werden in Echtzeit an die Flugsicherheitsbehörden weitergeleitet. Israel, ein kleines Land von der Größe Hessens oder Brandenburgs, verzeichnet in jeder Saison rund 500 Millionen Zugvögel: Entsprechend eng geht es im Luftraum zu. Durch die Zusammenarbeit zwischen Luftwaffe, ziviler Luftüberwachung und Ornithologen wurde die Zahl der tödlichen Zwischenfälle in den vergangenen Jahren auf Null reduziert!

Auch per im Feld aufgebautem Radar und Infrarot werden die Vögel erfasst. Zur wechselseitigen Kontrolle werden die Ergebnisse der von Mensch und Maschine ermittelten Vogelschwärme verglichen.

Mensch oder Maschine: Wer sieht die ziehenden Greife zuerst?

Bei einer Gruppe mehrerer Hundert Pelikane von denen wir dank Radar wussten, dass sie auf dem Weg zu uns sind, gewann das menschliche Auge in diesem Jahr. Wir fanden die Vögel als winzige Punkte in einigen Kilometern Entfernung vor den Experten am Computer - noch!

 Zweierlei Art von Birdwatching

 

 

    SCHWARZSTÖRCHE IM BET-SHEAN-TAL

Neben dem Schreiadlerzug widmete ich mich vor allem der Fotografie von Schwarzstörchen: Im Bet-Shean-Tal in der Jordansenke - in der Bibel als das Tor zum Paradies beschrieben - stieg die Zahl eintreffender Schwarzstörche täglich an, mit allein einem Trupp von 800 Vögeln am 3. Oktober.  Auch Weißstörche waren zu Beginn meines Aufenthalts noch zahlreich anwesend, der Großteil der seit dem 1. August gezählten 435.000 Vögel war aber schon abgezogen. Ornithologisch machte das Bet-Shean-Tal den biblischen Vorschusslorbeeren alle Ehre. Bei Temperaturen nahe 40 Grad war das oft halbtagelange Ausharren im Versteck, das ich in einem abgelassenen Fischteich aufgebaut hatte, aber nicht immer vergnüglich. Immerhin wurde es rasch von Braunliesten, Graufischern und Eisvögeln als Sitzwarte angenommen:

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Aufbau des Tarnzelts im Schlamm eines abgelassenen Fischteichs, ein Braunliest nimmt die neue Warte sofort erfreut an.  

Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens wurde meine Geduld belohnt. Schwarzstörche, Silber-, Grau-, Rallen- und Seidenreiher suchten in nächster Nähe nach Nahrung. Fischadler kamen zum Trinken.

 

Ein junger Schwarzstorch in Imponiergeste gegenüber einem Altersgenossen. Aber auch um Altvögel machte dieser couragierte Jungvogel keinen Bogen, wenn es ums Fressen ging:

 

Israel entwickelt sich in den vergangenen Jahren immer mehr vom reinen Durchzugsland zu einem zunehmend bedeutenden Überwinterungsgebiet für Schwarzstörche. In den fischreichen Teichanlagen des Bet-Shean-Tals finden sie eine optimale Nahrungsgrundlage. 

Dieser noch nicht adulte Schwarzstorch konnte sich nach längerem Streit erfolgreich gegen die Schmarotzerversuche eines Schwarzmilans durchsetzen.

 

 Fischadler sind häufige Durchzügler und in den vergangenen Jahren auch zunehmend regelmäßige Überwinterer in Israel

Eisvögel sind sehr häufige Wintergäste im Bet-Shean-Tal

 

Spornkiebitz, eine überall häufige Art

 

Steppenweihen, hier ein Männchen, finden im Bet-Shean-Tal auf dem Durchzug reichlich Nahrung: Zehntausende Pieper, Lerchen und Stelzen bevölkern die Felder

 

Zum Abschluss einige Eindrücke, fotografiert aus meinem Tarnzelt. Im Hintergrund das Edom-Gebirge in Jordanien

 

Interesse an Israel geweckt? Im Frühling, dritte Märzwoche, findet erneut das Internationale Birdfestival in Eilat statt: Eine Woche mit Exkursionen, Meinungsaustauch und Vorträgen im Mekka des Vogelzugs. Bei Interesse helfe ich gerne weiter mit Kontakten und Informationen.

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